Telematikinfrastruktur: Es braucht Dialog statt Intrigen

17.07.2020
PressemitteilungenVernetztes Gesundheitswesen
  • Der Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg) bezieht Stellung zur aktuellen Debatte zur Erfüllung der Vorgaben für die Telematikinfrastruktur.
  • Dabei kritisiert der Verband das Verhalten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) scharf und ruft zu einem aufrichtigen und zielorientierten Dialog auf.

In einem durch die Berichterstattung des Ärzteblatts publik gewordenen Brief an das Bundesgesundheitsministerium im April 2020 beklagt die KBV Probleme seitens der Industrie bei der Anpassung der Praxisverwaltungssysteme. Als Ergebnis sehe man sich nicht mehr in der Lage, diverse Fristen und Vorgaben für die Telematikinfrastruktur einzuhalten.

„Diese Anschuldigung verdreht die Tatsachen“, stellt Sebastian Zilch, Geschäftsführer des bvitg klar. „Anfang des Jahres erklärte die KBV uns gegenüber, dass sie die Vorgaben nicht umsetzen könne und bat um Unterstützung bei der Einschätzung des technisch Möglichen. Ziel war es, hier gemeinsam einen realistischen Zeitplan aufzustellen. Die Tatsache, dass dies nun über Umwege als Versagen der Industrie ausgelegt wird, schadet der wiederholt erklärten konstruktiven Zusammenarbeit.“

Mehr Transparenz und Aufrichtigkeit

Statt Kommunikation im Hinterzimmer fordert der bvitg einen aufrichtigen und transparenten Dialog zur Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben und einer Prüfung der Kapazitäten. Eine Zusammenarbeit von Bundesgesundheitsministerium, gematik, DKG, KBV und natürlich der umsetzenden Industrie erscheine diesbezüglich sinnvoll.

Zudem verweist der Verband auf die akute Gefahr eines Zertifizierungsstaus bei der KBV, die aufgrund der Fülle der Aufgaben zunehmend Fristen nicht einhalten könne. Dies würde im schlimmsten Falle dazu führen, dass Ärztinnen und Ärzte aufgrund der Kapazitäten bei der KBV ihre Systeme nicht mehr einsetzen und somit ihre Leistungen nicht mehr abrechnen können.

„Insgesamt stellt die derzeitige Situation infrage, inwieweit die KBV und KVen tatsächlich der Aufgabe gewachsen sein werden, selbst Software anzubieten. Diese Kompetenz soll ihnen ja nach dem kürzlich verabschiedeten Patientendaten-Schutz-Gesetz zugestanden werden“, ergänzt Zilch.

Abschaffung von gescheiterten Schnittstellenvorgaben

Kritik übt der Verband auch an den Vorgaben der KBV für die Verordnungssoftware-Schnittstelle (VOSS) sowie der Archiv- und Wechselschnittstelle (AWST) . Diese seien für den Versorgungsalltag wenig praktikabel und zudem handwerklich schlecht ausgearbeitet, weshalb der bvitg deren Abschaffung fordert. Basierend auf den Erfahrungen aus dem Prozess und dem entsprechenden Fokus auf dieses Projekt kann über die deutlich wichtigere ePA-Schnittstelle die Anforderungen an VOSS und AWST ebenfalls abgedeckt werden.