Gesünder dank KI?

14.11.2019
Veranstaltungen

Rund 30 Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Disziplinen diskutierten am 08. November auf Einladung des bvitg in Berlin bei der Veranstaltung „Zukunft.Gesundheit.Digital“, welche Chancen der Einsatz künstlicher Intelligenz im Gesundheitsbereich bietet.

Ob Chatbot oder personalisierte Medizin – KI ist derzeit einer der großen Technologietrends im Gesundheitswesen. Bis dieser tatsächlich in der täglichen Versorgung ankommt, gibt es freilich noch einige Hindernisse zu überwinden. Um diese zu identifizieren und das Potenzial von KI zu diskutieren, lud der bvitg am 08. November  ausgewählte Akteurinnen und Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Selbstverwaltung nach Berlin zum Austausch.

Nach einleitenden Worten des Moderators Philipp Grätzel von Grätz sowie Andreas Kassner, stellvertretender Vorstand des bvitg, führte der Technologiephilosoph Sharad Gandhi in einem Impulsvortrag an das Thema KI heran. Er hob das „Lernen“ als wichtige Grundlage für Intelligenz hervor und erklärte, wie Deep Learning KI anhand von Beispielen – anstatt von festgelegten logischen Regeln – Muster erkennen und seine Entscheidungsfähigkeit immer weiter verbessern kann. Welches Potenzial KI insbesondere im medizinischen Bereich bietet, veranschaulichte er anhand einer Reihe von Beispielen. die von der Früherkennung von Brustkrebs, bis hin zur Risikoerkennung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen anhand eines Netzhautscans reichten.

Zur anschließenden Diskussion waren, neben Sharad Ghandi, MdB Dirk Heidenblut, Thomas Renner vom Bundesgesundheitsministerium, Prof. Dr. Roland Eils vom HiGHmed-Konsortium der Medizininformatik-Initiative sowie Andreas Kassner als Experten mit auf der Bühne. Erkenntnis war unter anderem, dass Deutschland in Sachen KI nicht schlecht aufgestellt sei, wie z.B. ein Projekt der Uniklinik Heidelberg zum Thema Genomsequenzierung illustriert, eine großflächige Anwendung bisher jedoch noch nicht stattfinde. Neben Fachpersonal und Wagniskapital brauche es dafür vor allem den Zugang zu qualitativ hochwertigen und strukturierten Daten.

Speziell beim Thema Daten wurden drei zentrale Herausforderungen genannt: Erstens die Tatsache, dass Patientinnen und Patienten rein technisch noch keinen Zugriff auf ihre eigenen Daten hätten – und damit auch eine Datenspenden oder ähnliche Vorhaben nicht umsetzbar wären. Der zweite Aspekt seien die regulatorischen Rahmenbedingungen, die laut den anwesenden Diskutanten nach dem Top-Down-Prinzip, ähnlich wie in Ländern wie Finnland oder den USA, von staatlicher Seite vorgegeben werden sollten. Dritte Herausforderung sei schließlich die Frage nach Plattformen, um die Daten zur Verfügung zu stellen und den Zugriff zu regeln.

Mit Blick auf die Verwendung von Daten stellten die Diskussionsteilnehmenden eine starke Verunsicherung in der Öffentlichkeit fest, häufig trete dabei der große Nutzen für Patientinnen und Patienten zu sehr in den Hintergrund. Hier müssten Forschung, Politik und Industrie gemeinsam Aufklärungsarbeit leisten. Dabei sollten auch Fragen zur Nachvollziehbarkeit und Neutralität von Algorithmen sowie  zur Haftung adressiert werden.

Die Veranstaltung war Teil der Reihe Zukunft.Gesundheit.Digital (Z.G.D.), für die der bvitg seit 2016 einmal jährlich Expertinnen und Experten aus Politik und gesellschaftlichen Gruppen zu einem zentralen Zukunftsthema zusammenbringt.