Ein Kompetenzzentrum des digitalen Gesundheitswesens

29.11.2019
Vernetztes Gesundheitswesen

Dr. Markus Leyck Dieken, Geschäftsführer der gematik, im Gespräch mit Chris Berger, bvitg-Referent Politik.

Bild: © gematik

Zu Ihrem Amtsantritt haben Sie gesagt, dass die gematik nicht mehr nur für die TI und die elektronische Gesundheitskarte stehen soll, sondern „Motor und Forum der digitalen Aufholjagd“ sein wird. Wie genau soll dies geschehen und was sind aus ihrer Sicht die drei Schwerpunkte für die gematik in den nächsten Jahren?

Der modus operandi der gematik wird von einer passiven Dienstbarkeit in ein aktives Haus der nutzerüberzeugenden Konzepte verwandelt. Nur so wird Deutschland die Flughöhe sinnvoller Digitalisierung erreichen. Das ist ein fundamentaler Wandel, der uns in weit mehr Außenkontakte bringen wird, um sowohl bei Standards als auch bei Kundenbedürfnissen vorausblickend genug zu sein. Bis 2021 sind die Schwerpunkte ePA, eRX und unser KOM-LE. Schon auf dem Weg dahin und sicherlich nach 2021 werden wir konzeptionell Behandlern und Bevölkerung weit mehr unmittelbare Erkenntnisse zu Prävention und Erkrankungen zugänglich machen.

Mit dem TSVG hat der Gesetzgeber die Eigentümerstruktur der gematik angepasst und das BMG als Mehrheitsbeteiligen festgelegt, um Prozesse schneller und effizienter zu gestalten. Allerdings gibt es noch viele Prozesse wie z.B. rund um das Interoperabilitätsverzeichnis Vesta, die überarbeitet werden müssten. Sind dort Änderungen zu erwarten?

Die Gesellschafterversammlung hat gerade erst die Gremienstrukturen der gematik verschlankt, um ihr mehr Spielraum zu verschaffen. Der Firmenname wurde verkürzt, da die Zukunft weit mehr ist als die Gesundheitskarte. Diese Veränderungen spiegeln die Entwicklung der gematik hin zu einem Kompetenzzentrum des digitalen Gesundheitswesens auf nationaler und europäischer Ebene wider. Auch das Interoperabilitätsverzeichnis befindet sich derzeit im Wandel und auf dem Weg zu der lang erwarteten Verbindlichkeit.

Einer der Kernkritiken ist, dass die gematik-Spezifikationen und Lastenhefte oft bis ins Detail Anforderungen regeln und auch viel zu spät die Fachexperten aus der Industrie, Standardisierungsgremien oder medizinischen Fachgesellschaften einbeziehen. Wie können wir uns in Zukunft den Prozess zur technischen Ausgestaltung von
TI-Anwendungen vorstellen?

Beim E-Rezept beschreiten wir jetzt schon neue Wege: kein Lastenheft mehr, und Konzeptentwürfe werden frühzeitig mit viel mehr Partnern im Vorfeld geteilt. Wir holen uns Stimmen von außen ins Haus und laden unsere Zielgruppen und Partner zum Dialog ein. Das E-Rezept wird unser erstes „Signature-Dish“ im neuen Modus und damit eher ein digitales Rezept.

Das Digitale-Versorgung-Gesetz sieht u.a. vor, dass die gematik als ein nationales Kompetenzzentrum für die Digitalisierung des Gesundheitswesens auf europäischer Ebene agieren soll. Sehen Sie die gematik möglicherweise in Zukunft als eine Art „Koordinator“ der Digitalisierung im Gesundheitssystem?

Die gematik ist im EU-Umfeld als E-Health-Kompetenzzentrum etabliert: Wir sind seit Langem an den EU-Aktivitäten beteiligt, um grenzüberschreitende E-Health-Prozesse zu etablieren. Die gematik wird im Kontext der EU-Ratspräsidentschaft in der 2. Hälfte 2020 in Bezug auf die E-Health-Strategie eine koordinierende Rolle spielen.

Abschließend noch eine persönliche Frage: Nutzen Sie derzeit E-Health- Anwendungen und wenn ja, welche?

Ich benutze die App meiner Krankenkasse und gebe als Arzt immer wieder neugierig einen Diagnoseweg bei Ada ein.

Dieser Text erschien zuerst in der Ausgabe 06|2019 der E-HEALTH-COM.


bvitg-Referent

Chris Berger
Referent Politik
chris.berger@bvitg.de 

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