DMEA 2026: Politik liegt in der Messeluft

15.05.2026

22.000 Teilnehmende, 550 Speaker:innen und mittendrin die politische Prominenz: Die vergangene DMEA in Berlin war eine Veranstaltung der Rekorde. Dass die Digitalisierung des Gesundheitswesens ganz oben auf der politischen Agenda steht, zeigte sich auf der Messe so deutlich wie nie zuvor.

Manchmal lässt sich die Relevanz einer Veranstaltung nicht nur an Besucherzahlen messen. Manchmal zeigt sie sich daran, wer sich Zeit nimmt. Auf der DMEA 2026 war die Gesundheitspolitik nicht nur zu Gast, sie war mittendrin. Auf Bühnen, in Panels, an Messeständen und in Gesprächen zwischen Industrie, Versorgung und Politik wurde deutlich, wie selbstverständlich die DMEA inzwischen zum Kalender der Gesundheits- und Digitalpolitik gehört.

Die letzte Berliner Ausgabe der DMEA war damit auch ein politisches Signal. Keynotes, Panels und Rundgänge griffen ineinander und zeigten, worum es in der nächsten Phase der Gesundheitsdigitalisierung geht: Um ePA, Interoperabilität, Datennutzung, Telemedizin, Pflege, ambulante Versorgung, Cloud-Souveränität und darum, wie aus Gesetzen Versorgungspraxis wird.

Von der ePA-Weiterentwicklung bis zur Longevity

Den Auftakt setzte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken mit ihrer Keynote. Sie stellte die Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte, die Nutzung von Gesundheitsdaten und den Mehrwert digitaler Anwendungen in den Mittelpunkt. Auch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) war sichtbar vertreten: Staatssekretärin Katja Kohfeld nutzte die DMEA für einen Rundgang und den Austausch mit der Branche, und auch Philipp Müller, neuer Abteilungsleiter für Digitalisierung und Innovation im BMG, war vor Ort.

Judith Gerlach, Bayerische Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention, verband ihren Rundgang mit einer Keynote zu Longevity und Prävention. Deutschland habe noch zu oft ein Krankheitssystem statt eines Gesundheitssystems. Mit Healthy Longevity stellte sie die Frage, wie Menschen länger gesund leben können und welche Rolle digitale Angebote, niedrigschwellige Prävention und selbstbestimmte Entscheidungen dabei spielen. Mit Blick auf den Wechsel der DMEA nach München ab 2027 war ihr Auftritt ein starkes Signal.

Einen einprägsamen Akzent setzte auch Prof. Dr. Kristina Sinemus, Hessische Ministerin für Digitalisierung und Innovation. Digitalisierung dürfe kein Selbstzweck sein, sondern müsse Vertrauen schaffen und den Menschen dienen. Das einleitende Zitat ihrer Keynote passte zur ganzen Messe: „Die Erfindung der Glühbirne war keine Weiterentwicklung der Kerze.“

Fokus auf Pflege, Ambulantes und den „Digitalen Aufbruch“

Katrin Staffler MdB widmete sich als Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung einem Feld, in dem digitale Unterstützung längst keine Zukunftsmusik mehr sein darf. Bei ihrem Rundgang informierte sie sich über Lösungen, die Pflegekräfte entlasten. Ergänzt wurde dieser Blick durch das Panel zur Pflegeinformatik, das zeigte: Pflege-IT gehört zur tragenden Infrastruktur der Versorgung.

Nah an der Versorgung waren auch die Panels zu ambulanter Medizin und Telemedizin. Dr. Stephan Pilsinger MdB machte deutlich, dass digitale Anwendungen in Praxen nicht an zusätzlichen Schnittstellen oder Medienbrüchen scheitern dürfen. Simone Borchardt MdB zeigte zudem, wie sehr digitale Versorgungsformen in der politischen Debatte angekommen sind – richtig eingebunden kann Telemedizin Versorgung strukturieren und neue Zugänge schaffen.

Eine parlamentarische Standortbestimmung bot das Panel mit Tino Sorge MdB (Parlamentarischer Staatssekretär im BMG), Matthias Mieves MdB und Dr. Florian Fuhrmann. Unter der Frage, was vom digitalen Aufbruch bleibt, diskutierten sie die Bilanz bisheriger Reformen und den weiteren gesetzgeberischen Handlungsbedarf. ePA, Gesundheitsdatennutzung, Interoperabilität und TI-Stabilität wurden hier nicht als Schlagworte behandelt, sondern als konkrete Aufgaben für die laufende Legislatur.

Digitale Souveränität und die Länderperspektive

Cloud-Souveränität stand beim Besuch von Dr. Thomas Pauls MdB im Mittelpunkt. Seine Teilnahme am Panel „Europäische Souveränität in der Cloud. Wie viel Unabhängigkeit braucht das Gesundheitswesen?“ zeigte, wie eng Innovationsfähigkeit, Datenschutz, IT-Sicherheit und digitale Infrastruktur zusammenhängen. Auch Sascha van Beek MdB legte mit seinem Austausch zu IT-Sicherheit und sicheren Systemen für die Pflege einen Schwerpunkt auf die digitale Souveränität.

Durch Katharina Schenk (Thüringens Ministerin für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie) und Elena Yorgova-Ramanauskas (Staatssekretärin im saarländischen Digitalministerium) kamen weitere zukunftsweisende landespolitische Perspektiven hinzu. Prof. Dr. Louisa Specht-Riemenschneider, die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), stellte mit dem ReguLab einen Ansatz vor, der Innovation und Datenschutz frühzeitig zusammenbringen soll. Die Berliner Landespolitik suchte ebenfalls den Austausch: Mit Marco Hahnfeld MdA und Silke Gebel MdA waren zwei Stimmen aus dem Abgeordnetenhaus vor Ort.

So fügte sich auf der DMEA 2026 vieles zusammen. Diese Breite machte deutlich, wie relevant die DMEA für die Gesundheitspolitik geworden ist. Die entscheidenden Akteure waren da – und sie waren im echten Dialog.

Die politischen Debatten der Rekord-DMEA werden weitergehen – ab 2027 dann am neuen Standort in München.