Die Digitalisierung der Pflege beginnt bei der Dokumentation

10.03.2020

Die Pflege muss digitaler werden. Zentraler Dreh- und Angelpunkt dafür ist die elektronische Pflegedokumentation.

Fragt man Pflegekräfte, was ihnen bei der Arbeit am meisten fehlt, lautet die erste Antwort in der Regel nicht Geld, sondern Zeit. Grund dafür ist eine immer größer werdende Last an Aufgaben, die auf immer weniger Schultern verteilt werden muss.

Bei der Lösung dieser Herausforderungen kann die Digitalisierung einen wichtigen Beitrag leisten. Einen guten Ansatzpunkt bietet eine digitale Dokumentation entlang der Phasen des Pflegeprozesses.

Phase eins: Der erste Schritt der digitalen Dokumentation

Bei einer digitalen Dokumentation könnten Patientinnen und Patienten und Pflegebedürftige schon bei der Sammlung der pflegerelevanten Informationen eine aktivere Rolle übernehmen. Sie könnten im Vorfeld Anamnese-, Assessment- oder Aufklärungsbögen ausfüllen und elektronisch übermitteln. Das spart Zeit und erleichtert die Prozesse und damit auch die Behandlung.

Phase zwei bis vier: Von der Diagnose zu Zielen und Maßnahmen

Für die Schritte nach der Anamnese gibt es schon heute Softwareprodukte, die das Pflegepersonal unterstützen können. Etwa indem sie aus der Routine-Pflegedokumentation Diagnosen, Abrechnungskennziffern oder individuell auf den Pflegebedürftigen zugeschnittene Vorschläge für pflegerische Maßnahmen ableiten.

Phase fünf bis sechs: Durchführung und Evaluation

Bei der Durchführung der Pflegemaßnahmen hilft eine elektronische Dokumentation etwa bei der pflegerischen Betreuung über räumliche Distanzen hinweg. Zudem kann die Zahl menschlich bedingter Fehler – etwa aufgrund einer unleserlichen Handschrift – vermieden werden.
Abschließender Teil des Pflegeprozesses ist die Evaluation. Hier ermöglicht eine elektronische Dokumentation einen besseren Vergleich des Zustandes der behandelten Person bei Aufnahme und Entlassung. Auch die Qualitätskontrolle und Überweisung an eine Ärztin oder einen Arzt oder ein Krankenhaus sind so deutlich einfacher umsetzbar.

Fazit

Wie die Beispiele zeigen, sind die Chancen der Digitalisierung für die Pflege enorm. Doch es braucht konkrete und ernst gemeinte Maßnahmen, um das Gesundheitswesen von der Papierlast zu befreien. Davon werden langfristig alle Akteure gleichermaßen profitieren. Der ideale Startpunkt dieser Mission ist die Pflegedokumentation, die richtig angegangen, weit mehr als eine Überführung von analogen in digitale Prozesse sein kann und muss.

Dieser Text erschien zuerst in der Ausgabe 01|2020 der E-HEALTH-COM.

Eine Langversion des Texters erschien in der Ausgabe 04|2019 der WIRKSAM.

Langversion des Beitrags (pdf)

Wirksam Ausgabe 04 2019 290,01 KB

bvitg-Referent

Thomas Möller
Referent Politik
thomas.moeller@bvitg.de